Sun Dial – Made in the Machine 2016

sundial-cover

Sie bewegen sich in einer Klangwelt, wie es nur wenige Künstler erschaffen können. Eine Musik die den Hörer auf eine fulminante Reise mitnimmt. Meiner Auffassung nach handelt es sich hier um ein unerwartetes Jahreshighlight einer außergewöhnlichen Band.

Gary Ramon hatte das Projekt 1990 unter dem Namen „The Modern Art“ gegründet. Für anstehende Live-Shows änderte er dann den ursprünglichen Bandnamen zu „Sun Dial“, was auch richtig war. Der ursprüngliche Name war zu allgemein, so etwas gab es auch schon im Jazzbereich. In den Neunzigern war ihre Musik ein radikaler Gegenentwurf zu den aufgepumpten Britpop-Hymnen. Ebenso zahlreich wie die Musikerwechsel gestaltete sich die musikalische Entwicklung im Laufe der Jahre sehr abwechslungsreich.

Gary spielte von 2003 bis 2008 auch als Gründungsmitglied bei den Atomic Workers, einer Psych-Post-Punk Band. Nebenbei betreibt er auch das Label „Acme Records“. Das neue Album „Made in the Machine“ behandelt dieselben Themen wie „Mind Control“, taucht aber noch weiter ein in die surrealen Welten von Sci-Fi und Spacerock, inspiriert von frühem Krautrock und der Darkroom-Queer-Ästhetik. Jedoch stützt sich „Made in the Machine“ trotzdem auf den altbekannten, einzigartigen Sun Dial Sound. Die Band meint, dass „Made in the Machine“ ihr bisher fokussiertestes und schillerndstes Album ist! Sie waren aber niemals bereit Kompromisse einzugehen oder sich anzupassen, es ist der Band hier eindrucksvoll gelungen. Sehr druckvoll produziert und perfekt abgemischt stürzt hier der Sound auf den Hörer ein, dabei bewahrt die Musik seinen lockeren Charme.

Das Album eröffnet mit Sirenengeheul in „Meltdown“ und geht über in einen gewobenen Klangteppich im sehr detailreich und fein gestalteten Musikfluß. Die Komposition und das Arrangement ist schlichtweg genial. „Contact“ eine wunderbare Melodie mit Tiefgang im angenehmen Gleichgewicht aus flirrender Gitarre und songdienlicher Keyboardarbeit. „Ascension“ ist hypnotisierend und berauschend, mit Mellotron  im Hintergrund. Sehr treibend rauscht es dahin. Unterschiedlichste Klanginstrumente ziehen an den Ohren vorbei. Dieses Instrumental ist unglaublich vielschichtig und emotional. „Sea of Rain“ mit Minimoog Sequenzen und mysteriösen Vocals, die sich schön in die Rhythmen einfügen, spacig und visionär. „Spacedust“ ein klangvolles und raffiniertes Stück das tief in den Sun Dial Kosmos abtaucht, es könnte eine Flöte mit ihrer Melodie sein die verführt. „Aurora“ mit sofort gefangennehmender Melodie im tanzbareren Rhythmus. Ein Astroritt durch die Galaxis, kein Brockengespenst. Erholsam in „Sun Gate“, mit Schwingungsmustern die locker auftauchen. In „Regenerator“ wird es wieder geheimnisvoller … denn die Sterne lügen nicht! Eine Reise durch die Zeit. „Eclipse“ sehr entspannt und nachdenklich. Ein sehr melancholisch tragendes Stück mit Synthesizerflächen und Percussions. Viel Raum und dennoch dezent und zurückhaltend. 14 Minuten „Autopilot“ mit meditativen Sequenzen, im warmen analogen Electronica-Sound. Ein atmosphärischer Track mit etwas Ethno-Feeling, ruhig fließend und positiv verspielt. „In the Machine“ ein kleiner düsterer Chillouttrack mit vielen schwarzen Tasten. Ein sphärisch grooviger Soundrack, rollend und bewegend. „Dark Planet“ Eine orchestrale Reise durch den Kosmos. Emotionale Streicherpassagen mit expressiver Betonung. Bei diesem Track dominieren spährische, sanft langezogene und warme Klänge den Ablauf der Musik. „Slipstream“ ein kleines orchestralelektronisches Werk verschmelzen in weiten Synthesizerflächen. „The Gates of Eden“ sehr atmosphärisch, interessante Beats, Streicher, Hammond Orgel, flächige Sounds.

Das neue Album „Made in the Machine“ glänzt mit überraschenden Elementen und Melodien die an das Vorgängerwerk nahtlos anknüpfen. „Sun Dial“ sind wie eine Supernova mit all ihrer Verzweigtheit, ihrem Reichtum an Formen. Es ist reines Klangvergnügen.

Erschien am 14. Oktober 2016 via Sulatron Records als CD im Jewelcase.
Das Doppel-Vinyl mit 500 Stück auf klarem Vinyl wird am 25. Dezember 2016 erscheinen! Einen Song gibts hier zu hören: https://soundcloud.com/sulatron/sun-dial-regenerator

sulatron-logo

Line-up:
Gary Ramon (guitar/vocals/mellotron, mini-moog, arp, hammond organ)
Scorpio (bass guitar/moog taurus 3 bass pedals)
Conrad Farmer (drums)
Joolie Wood (violin/melodica)

sd-band

Tracklist:
01 – Meltdown (3:45)
02 – Contact (3:53)
03 – Ascension (4:41)
04 – Sea of Rain (3:33)
05 – Spacedust (3:57)
06 – Aurora (4:15)
07 – Sun Gate (4:13)
08 – Regenerator (6:41)
09 – Eclipse (4:17)
10 – Autopilot (14:29)
11 – In the Machine (3:52)
12 – Dark Planet (6:12)
13 – Slipstream (3:01)
14 – The Gates of Eden (5:31)

Discography:
Other Way Out (1990)
Overspill EP (1991)
Reflecter (1992)
Fazer EP (1992)
Going Down EP (1993)
Libertine (1993)
Return Journey (1993)
Acid Yantra (1995)
Zen for Sale (2003)
Salem EP (2009)
Sun Dial (2010)
Mind Control (2012)
Made in the Machine (2016)


Advertisements