Pub Čerenkov – Nightsessions Vol. VI 2016

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Die Band „Pub Čerenkov“ aus Ulm, treten mit Jamsessions im harten Stoner-Psych an. Durch etwas Wahnsinn und viel Leidenschaft bringen sie den Zuhörer völlig zum kochen. Was „Pub Čerenkov“ hier abliefern, ist ergreifend und mutig zugleich. Die Reiselustigen verzichten bei ihren Gitarren auf herkömmliche Songstrukturen. Dabei kommen improvisationsgetränkte Überlängen heraus, die von Hemmungslosigkeit nur so strotzen.

Nightsessions Vol. VI ist ihre siebte Produktion seit dem 5. Mai 2015, die über Bandcamp zu beziehen ist. Also sehr Musikbegeisterte, kreative und schöpferische Mannen. Stonerlicks und Psych-Spacerock-Elemente treiben heftig unter dem brachialen Bass-Schlagzeug-Fundament.

Der Kolben frisst sich in den Zylinder und sitzt plötzlich fest. Der Motor steht dann schlagartig still. Das fast 25 Minuten Stück „Kolbenfresser“ bringt die stark erhitzten Bauteile durch die enormen Kräfte zum verschmelzen. Der Zylinder schlägt aus, wie auch die Gitarren im Stück. Mit zwei sphärischen Gitarren beginnt das Kolbenduell. Die Dramaturgie nimmt zu, wechselt schneller als ein Magier, der auch noch Kaninchen aus dem Zylinder holt, bevor die Blockade kommt. Der Druck läßt einfach nicht nach, malträtiert den Hörer, zerschlägt noch die letzten Bestandteile. Das Schlagzeug kommt mit aller Eindringlichkeit dazu und sucht das entschleunigte Tempo, das nicht kommen mag. Ein Quirlen und Zischen, dann wieder die sägende Motordrehzahl die alles zerlegt, ein letztes Aufbäumen im Getriebe, die Aggregate fressen sich ein.

Im zweiten Brecher „Yellow Synthotron“ ist der analoge Synth fällig. Das Synthotron bringt das psychedelische Feuer mit analogen Synthsound auf das Pedalboard. Es besteht aus einem analogen Gitarren-Synthesizer und einem Hüllfilter mit Sample- und Hold-Funktionalität. Mit einem leichten Fluktuieren und überdrehten Stottersignal hallen die Töne ein. Ein Suchen im Abstrakten wohin die Soundmontage gehen soll. Im Echo abtastend und durch futuristisches Dröhnen unterbrochen, zu düster-mechanoiden Terminator-Mad Max Charakteritika übergehend. Ein beängstigendes fast hypnotisches Gefühl der Unausweichlichkeit. Man kann nur erahnen was diese Geräusche erzeugt, es ist aber ständig da und strahlt ein gewisses Selbstverständnis aus. Die Gitarren oszillieren vom Grundton zum dominanten Geräusch und wieder zurück. Dieser Klang steigert sich intervallartig im tief geisterhaften Atmen. Das Gitarrengerät ist erschöpft und gleitet aus.

Musikalisch ein Genuss und für Freaks zu empfehlen, die auf lange Jamsessions stehen. Hochachtung nach Ulm an die vier Musiker für ihr Blade Runner-Szenario.

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Line-up:

Matthis – Guitar, Effects
Poli – Guitar, Effects
Flaffi – Drums
Rafi – Bass

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Tracklist:
01 – Kolbenfresser (24:32)
02 – Yellow Synthotron (21:11)

Erschien am 28. Oktober 2016 via Bandcamp.

Pub Čerenkov – Bandcamp


 

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