Moewn / Camel Driver – Split 2016

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Der musikalische Blick schweift Richtung Norden ins Pink Tank Universum. Dort haben sich drei Möwen von der Hamburger Wasserkante und drei Kameltreiber aus den Kieler Dünenlandschaften zusammengetan. Beide Bands präsentieren ein Album, das mit jeweils drei frischen Instrumentalkompositionen daherkommt. Diese vollwertige Auswahl kommt zudem ganz ohne überflüssiges Füllmaterial aus.

Bei Camel Driver steht unter besagter Pink Tank Flagge, die Produktion „Camel Driver“ aus dem Jahr 2014 zu Buche. Auf dieser sehr hörenswerten Scheibe, zeigen sie ein beachtliches Gespür mit ihren kompakten Arrangements. Dazu konnte Moewn im Jahr 2015, mit dem glänzenden Debütalbum „Acqua Alta“ auftrumpfen. Mit Ihren leidenschaftlichen Interpretationen, spielt sich die Band direkt in die Herzen der Instrumentalgemeinde. Bei dem gemeinsamen musikalischen Potenzial macht es wirklich Sinn, das man sich auch einmal die Noten auf einer Scheibe teilt.

CAMEL DRIVER – RITES OF PASSAGE

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Unter Gepäcklast und in der Glutofenhitze des Sandmeeres, traben drei ausdauernde Kamele zu einem rostigen Wrack, das mitten in dieser lebensfeindlichen Wüstenlandschaft schon seit Ewigkeiten zu verrotten scheint. Am Horizont reißt die dunkle Wolkendecke und mit gleißenden Strahlen bahnt sich die Sonne den Weg in den ersten Track ‘Seperation‘.
Staubig wie Wüstenwind weht der Song heran. Nach einem kleinen und leichten Intermezzo startet das Stück kraftvoll durch. Knackige Schlagzeugparts und wummernde Basslinien untermalen die körnigen aber melodiösen Gitarrensalven.
‘Interphase‘ bleibt direkt in der Sandspur. Präzise gespielte und fein arrangierte Sounds geben sich hier mit progressiven Feeling, die musikalisch versierte Klinke in die Hand. Es ist ein überzeugender Song, der im letzen Drittel sogar noch zusätzlich durch ein paar staubig eingestreute Bluesrocksprengsel punkten kann. Mit geheimnisvollen Tönen rieselt der Song aus.
Der stärkste Kameltrack wird danach aber mit ‘Integration‘ auf den Weg getrieben. Breit gefächerte Melodieflächen bringen das Stück in optimale Sphären. Es folgt spielerisch ein überragender Wechsel in Stoner-Bluesrock Gefilde. Danach türmen sich wieder die Sanddünen auf. Trockene Gitarrenparts, eine eintreibende Rhythmussektion und die Rückkehr in eine progressivere Spielart, decken auf ideale Weise das gesamte Spektrum ab. Der fantastische Song endet wie ein erfrischender Windhauch in der Weite der unwirklichen Wüstenlandschaft.

MOEWN – AESTUS

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Drei sturmerprobte Möwen umkreisen das Deck, während der von Wind und Gischt gebeutelte Kutter durch die Wellen schlingert. Es tobt ein elementarer Orkan oder ist es sogar die alles auslöschende Sintflut? Ein uferloses Wellenmeer überspült alles und der Kompass pendelt sich erst bei ‘Nordpol‘ wieder ein.
Mystisch und weitläufig nimmt das Stück gekonnt Fahrt auf. Die Becken erschallen zum Drive der abhebenden Gitarrenklänge. Eindringlich und vielschichtig dreht die musikalische Kompassnadel immer wieder genau in den richtigen Breitengrad.
Mit auffordernden Drums startet ‘Kaventsmann‘ über die offene See. Dann wie aus dem Nichts, der erste Brecher. Kraftvoll schlagen die Gitarrenwellen gegen die Bordwand. Bei diesem Auf und Ab, gleitet das musikalische Boot aber auch immer wieder durch ein ruhiges Wellental. Die Stimmung im Song zirkuliert und bleibt spannend. Wirkungsvoll baut sich nun eine großartige Strömung auf, durchflutet den gesamten Song und nimmt alles mit sich. Am Ende sinken die zurückweichenden Klänge auf den Meeresgrund.
Das nachfolgende ‘Bordbrant‘ schlägt, mit dieser selbstgebrannten Komposition, dem bordeigenen Rumfass den Boden aus! Schon der raumgreifende Gitarreneinstieg am Anfang ist hochprozentig und allererste Güte! Das gesamte Stück atmet regelrecht die fliegenden und umspannenden Klangfarben. Es ergibt sich eine perfekte Balance zwischen den ausgewogenen Rythmusfrequenzen, den kraftvollen Parts und dem darüber hinausgleitenden Melodiebogen der Saitenklänge. Das ist eindrucksvoll arrangiert und grandios umgesetzt.

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Auf diesem Splitalbum wird beiderseits ein vorzügliches Soundbrett geboten. Die drivenden Musikanten präsentieren sich in Bestform und brennen ein verdammt gehaltvolles sowie sandig-rockendes Wüstenteil ab. Dazu legen die gefiederten Freunde von der Seefront einen überschäumend starken Wellenstoff vor. Das ist noch mal eine Steigerung zu Ihrem Debüt. Im Gesamtfazit geben sich hier sechs ganz feine Songs die Ehre! Mit einer qualitativ erstklassigen Produktion und den zwei exzellent gestalteten Coverseiten, ist das höchste musikalische Unterhaltung!

Erschien am 15. Oktober 2016 via Pink Tank Recordspinktanklabel

Vinyl Daten:
limitiert auf 100 Stück (salt lake marbled) – Hand nummeriert, inclusive Poster + limitiert auf  200 Stück (standard black) — 180g heavyweight Vinyl – 350g heavyweight turn around cover – inclusive download card

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Tracks:
CAMEL DRIVER – RITES OF PASSAGE
1. Seperation – 4:59
2. Interphase – 8:23
3. Integration – 9:34

MOEWN – AESTUS
1. Nordpol – 6:30
2. Kaventsmann – 7:26
3. Bordbrant – 8:30

Moewn/Camel Driver-Split – Bandcamp


 

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