Kill West – Raw Desire EP 2016

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„Kill West“ kommen aus Argentinien und sind auch bei uns längst keine Unbekannten mehr. Mit den zwei vorherigen Releases haben sie sich bereits einen guten Ruf im bluesgetränkten Psych-Stoner aufgebaut. Es ist eine Band die im Klang experimentiert, anstatt sich auf bewährte Nischen zu verlassen.

Sie zeigen sich flexibel und bewegen sich muskalisch weiter. Das schwere, bluesige Treiben der ersten vier Tracks ist spannend und berauschend, während das experimentelle „Pareidolla“ mit einer betörenden Atmosphäre in suchender Wahrnehmung kommt.
Der Titeltrack „Raw Desire“ beginnt mit anfänglicher Explosion und verwandelt sich zu einem Psych-Blues-Groove. Ein deftiges Monster, das den Blues-Einfluss fest auf seinem Ärmel trägt. Dazu sind die rohen und schweren Riffs mit viel Reverb und Echos unterlegt. Es ist schon berauschend, wie der Song in dieser Art bis zum Ende beschleunigt und öffnet.

„Shivers“ hat viel vom Titeltrack. Schwere Riffs und reverb beladene Vocals sowie ein Hauch von The Stooges wehen durch den Song. Die Energie und Kraft überrascht sehr. Besonders gefällt mir ihre Art, die an Sonic Jesus in ihrem exzellenten Album erinnert. Besonders die Vocals haben hier eine größere Dringlichkeit und schneiden sauberer sowie schärfer als früher.
„Giant Mexico Weather“ ist ein großer Instrumental-Track mit den selben, mittlerweile vertrauten Riffs. Herrausragend ist die fantastische Psych-Gitarre im Mittelteil. Die Looping-Riffs spielen um einen sehr stabilen und soliden Rhythmusabschnitt in sparsamer Effizienz.

Die beiden „Apocalypse City / Pareidolia“, sind die Krönung dieses EP. „Apocalypse City“ startet direkt als Unerwartetes und ganz Besonderes, mit fetzigen Groove. Dazu kommt der prägende Gesang und die ZZ Top Gitarre. Es ist ein schwerer süffisanter Sound im Psych-Rhythmus, der sich ins Bewusstsein frisst. Wieder ergibt es diese famose Schwerkraft im Klang der Band.
Nach sieben Minuten hört der Wahnsinn der Apocalypse auf und geht in „Pareidolia“ (nach Wikipedia ein Trugbild, Schattenbild) über. Der Verstand nimmt ein vertrautes Muster von etwas wahr, wie ein Sehen von Tiergestalten in einer Wolke. Das Gehirn neigt dazu, diffuse und scheinbar unvollständige Wahrnehmungsbilder zu komplettieren und mit vertrauten Mustern und Formen anzugleichen. Dabei scheinen die Art und Gestalt der Trugbilder von der Erwartung des Gehirns abzuhängen.
„Pareidolia“ setzt dazu mit unterschwelligen, nostalgischen Klavier ein, während die Dronesounds eine hintergründige Atmosphäre schaffen. Es ist fast wie ein Versprechen, sich im Klang nur noch pareidolisch zu verständigen.

Das ist ein starker EP-Auftritt von „Kill West“. Somit geht ein großer Applaus an dieses Klangexperiment. Ich freue mich schon darauf, was als nächstes kommt. In der Zwischenzeit werde ich mich zurücklehnen, starre in den Himmel und betrachte die pareidolischen Effekte ihrer feinen Musik. Ob die Band auch in dieser Richtung weiter reisen möchte, bleibt noch offen. Die Zukunft wird es zeigen.

Erschien am 4. November 2016 als Split Release zwischen Drone Rock Records, Crang Records (Argentinien) Von insgesamt 500 Exemplaren gibt es je 250 mit schwarz weiß Splatter und 250 klarem Vinyl.

Line-up:
Joel Menazzi – Bass
Martin Valentini – Guitar
Octavio Bermejo Villareal – Drums / Percussion
Franco Beceiro – Guitar / Vocals / Keys

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Tracklist:
01 – Raw Desire (4:33)
02 – Shivers (4:42)
03 – Giant Mexico Weather /6:46)
04 – Apocalypse City (7:07)
05 – Pareidolia (3:05)

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Kill West – Bandcamp


 

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