Earthling Society – Zen Bastard 2017

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Seit langem ist Earthling Society eine Band, bei der ich jedes neue Release eifrig erwarte und bei deren Erscheinen ich uneingeschränkt zugreife. Drone Rock Records spricht mit Kill West, Psychic Lemon und The Space Spectrum sowieso für sich und ist ein Label, mit dem Finger am Puls des aktuellen psychedelischen Zeitgeistes. Obwohl ich mit Bands wie Pink Floyd und Hawkwind aufgewachsen bin, bleiben das reine Referenzpunkte. Denn was „Earthling Society“ hier wieder produziert haben ist großartig.

Sie haben mit „Zen Bastard“ sogar ihre eigenen hohen Standards übertroffen. Es macht die Alchemie und das Rezept aus, was sie verwenden. Es kann zwar ein bisschen früh sein um von einem der Alben des Jahres zu sprechen. Aber diese Scheibe sollte erst mal übertroffen werden. Das wird für andere Bands aus diesem Genre sicherlich schwer.

Was bringt „Zen Bastard“? Die vier Songs öffnen eine Psych-Space Wundertüte um gut durch die Zeit zu gleiten. Der akustische Puls ist so stark, das dazu keinerlei Rauschmittel nötig wären! Es ist wunderbare Kopfmusik für wache Gedanken, die hier aus der Rille schallt. Es ist eines der Alben, wobei ein Gefühl einer Sinnesreise aufkommt. Es scheint dazu viel geräumiger und klanglicher Abstand zwischen der Eröffnung und dem Ende des Vinyls zu geben. Man ist nie ganz sicher wie die Landung ausgehen wird. Es wirkt wie das Unerwartete oder ein Rätsel, umhüllt in den riesigen Mantel des musikalischen Mysteriums.

Der Titeltrack „Zen Bastard“ beginnt in einer kunstvollen Mischung aus Krautrock im Space-Style. Es ist alles sehr schön, aber nach zweieinhalb Minuten wird die Nummer hörbar lebendiger. Das schwer, bewegte Riff, begleitet von diversen raumartigen Effekten, Synth-Linien mit pochender Bass, sorgen für das Spacerockige. Ein ausschweifender Hawkwindtraum, so gut kommt die Komposition. Die harmonischen Vocals und diese sitarähnlichen Gitarre in dieser ausgeprägten psych-Luft sitzen dazu perfekt. Das ist natürlich am besten in der vollen 15-minütigen CD Version zu erhören. Es ist die Kavalkade der vollen Dröhnung, ein packender Klang und die ultimative Hommage an ihre Einflüsse.

Zum zweiten geht es weiter mit dem „Mountain King Blues“. Der Track erweitert die Palette zu einer trippig meditativen Angelegenheit und ist zum großen Vinyl-Leidwesen nur auf der CD-Version enthalten. Die Musik gewinnt mit der Sitar an Intensität, verliert sich aber nie im rein melodischen Spektrum. Wir sind noch immer fest im Space-Territorium und die aufsteigenden Vocals weichen nie der reinen Gelassenheit. Es fühlt sich wie auf einem Hochplateau des wahren Space-Rock an, nur um dort die schwindelige Höhe zu genießen, bevor der Gedanke wieder ins Chaos sinkt. Es ist viel Sinn für Klarheit vorhanden aber die unerschütterlichen Klänge führen in die Bergwelt des Königs zurück.

Passend ist auch der nächste Track „Outsideofintime“. Er startet sofort mit einem Mega-Riff, bleibt aber im Hintergrund, kommt wieder zurück und gibt dem Track eine Atmosphäre der grübelnden Selbstbeobachtung. Die Stimme erinnert an die großen psychedelischen Bands der frühen 70er Jahre, aber auf eine ganz andere Art und Weise. Auf halbe Strecke passiert etwas seltsames und wunderbares, das nur so von „Earthling Society“ kommen kann. Inmitten feiner Gitarren taucht aus dem klanglichen Gewandt ein Stileinschlag auf, der sich zunächst eigenwillig anhört. Aber es greift und wird gegen Ende zu einem großen Space-Rasta-Psych-Reagge-Scenario. Die gesamte Nummer mit dieser wandelbaren Textur wird so zum äußerst brillanten Hörerlebnis.

Die „Kozmik Suite“, ist mit fast zwanzig Minuten der längste Track. Die Eröffnungsminuten sind reichhaltig kosmisches Geflirre. Gitarre und Synths produzieren eine jenseitige Atmosphäre von Ruhe und Raum. Dann geht die klangliche Glückseligkeit mit der pulsierenden Basslinie zu etwas Besonderen über. Alles öffnet zu einem fahrenden Spacerock-Leviathan. Wieder fühlt die Band den Geist sowohl von Pink Floyd als auch von Hawkwind. Es erscheint eine organisch dichte Klangfarbe in der Mauer dieser Tonfolgen. Es sind keine Lücken dazwischen, die nicht mit wirbelnden Gitarren gefüllt werden. Gerade denkst du, der Griff sitzt, da ergibt sich schon etwas Neues und verwandelt alles wieder zu ruhigen Passagen. Der intergalaktische Raum erlaubt Fred Laird wirklich viel, was er auf seinen Instrumenten vertonen kann. In den verbleibenden Minuten tauchen oszillierende Gebilde aus den Tiefen des Kosmos auf und man kann, nach diesem exzellenten Soundritt, wieder entspannter durchatmen.

„Earthling Society“ sind absolute Meister Ihres Genre! Alles ist hier in eine berauschenden Mischung aus kosmischer Psychedelcia eingebettet. Musikalisch wird jeder Track großartig umgesetzt und der gesamte Sound bietet dazu aufregende Stimmungsbilder. Wer also einen wahren und einpärgsamen Space-Psych Sound anno 2017 erleben möchte, sollte unbedingt in diese Scheibe reinhören.

Es erschien am 3. Februar 2017 via Drone Rock Records. Limitierte Edition mit 150 Kopien in Blue Vinyl und als Black Vinyl.

Line-up:
Fred Laird – Vocals, Guitars, Sitar, Mellotron, Lap Steel
Kim Allen – Bass
Jon Blacow – Drums, Percussion

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Tracklist:
CD-Version:
1. Zen Bastard (15:57)
2. Mountain King Blues (8:23)
3. Outsideofintime (12:31)
4. The Kosmik Suite (19:19)

LP-Version:
1. Zen Bastard [edit] (8:00)
2. Outsideofintime (12:31)
3. The Kosmik Suite (19:19)

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Earthling Society – Bandcamp


 

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