All Them Witches – Sleeping Through The War 2017

all-them-witches-lp

Der Band gelingt erneut ein großer Wurf, denn schließlich war bereits ihre letzte Platte „Dying Surfer Meets His Maker“ umwerfend. Es bestand somit die Gefahr, das die Neue eventuell unter dem Gewicht dieser Erwartungen einbrechen könnte. Zum Glück ist diese Band aber zu einer breitschultrigen Einheit gewachsen, die ein vermeintliches Erwartungsgewicht locker tragen kann. Damit zelebrieren sie auch weiterhin ihr großes musikalisches Potenzial.

„Dying Surfer Meetshis Maker“ wurde damals in einer abgelegenen Hütte gemacht, wo die Band schlief, spielte, aß und rauchte. Tatsächlich waren ihre bisherigen Aufnahmen weitgehend im Studio mit einer ähnlichen Methode entstanden. Aber genau wie die Methoden andere waren, so ist es auch das Ergebnis. „Sleeping Through The War“ kommt sehr konzentriert. Die Songs haben mehr Struktur. Für die aktuelle Scheibe kam Produzent Dave Cobb, der dafür bekannt ist, das beste aus Musikern wie Sturgill Simpson und Shooter Jennings (Sohn von Waylon) herauszuholen. Unter seiner Leitung konnten sie jeden Song in erstaunlichen und umfangsreichen Klangfarben produzieren. Sechs Tage verbrachten sie insgesamt mit Dave Cobb. Nicht viel Zeit aber das genügte für diese erstklassige Produktion, denn die nächsten Konzerte standen wieder an.
Beginnend mit „Bulls“, das in einer Low-Key-Art startet sowie mit den Backing Vocals von Alt-Country-Songwritern Erin Rae und Caitlin Rose, verdoppelt sich die Geschwindigkeit mit dem zusätzlichen Surf-Gitarren Reverb und Fuzzy-Tastaturen. Die Gastkünstler, das Plattenlabel und die Tatsache, das die Band aus Nashville ist, bekommt somit eine gültige Ansage.

Der Opener „Bulls“, nimmt sich Zeit um sein Klanguniversum zu entfalten. Die Schlüsselelemente und die Komplexität, mit der Echo-Chorunterstützung der Gäste Caitlin Rose, Tristen und Erin Rae, geben „Bulls“ einen klassischen Aspekt der Seelenhaftigkeit um letztlich die verschiedenen Bewegungen zusammen zuhalten. Sie erweitern ihre anfänglichen Träumerei zum spannenden Spiel. Die Sounds mit der grübelnden Schwere sind dabei immer vorhanden. Der anmutige Grunge-Blues „Do not Bring Me Coffee“ beginnt aus dem Ende von „Bulls“ mit Parks Gitarren-Linie. Nachdem sich der instrumentale Push enthüllt hat, dringt McLeods knirschendes Riff in den Rythmus. Staebler erleichtert die Übergänge mit seinen Drumparts.
„Bruce Lee“, das folgt, ist wohl der geradliniegste Song. Das tief Individuelle in der Band ist offensichtlich und die Songs sollten dazu auch so wahr genommen werden. Die zentrale Wirkung sind die wandernden Momente. Diese Stimmungsart führt weiter durch das Material. Das „3-5-7“ mit vorwärts balancierenden Strukturen, ist das zugänglichste Stück auf dem Album. Es enthält greifbar schöne Gitarren-Phrasierungen von McLeod durch den rhythmisch gleitenden Groove. Von hier aus werden die Songs länger und tiefer.

„Am I Going Up“ ist eine balladeske Tour mit dröhnenden Keyboards, die nach der Weite einer Wüstenlandschaft verlangen. „Alabaster“ schlurft etwas bösartig, mit Textauszügen ähnlich wie: „Ich habe im Dämon das wirkliche Gesicht gesehen – Ich kenne das Gesicht des Predigers – Ich kenne das Gesicht des Friedhofs – Ich kenne das Gesicht des Präsidenten – Ich kenne das Gesicht meines Vaters – Jeden Tag sehen sie mehr aus wie meines“. Die knallige Percussion-Begleitung bringt Santana’s Caravanserai in Erinnerung, bevor sie sich unversehens wieder fangen. Eine facettenreiche und ganz starke Nummer wird hier präsentiert und geboten!
„Cowboy Kirk“ ist ebenfalls ein Highlight des Albums. Mit Gitarrenlinien in blues-rockiger Achterbahnfahrt voller Überraschungen. Der Vorgeschmack zum Abschluss mit dem längsten und lässigsten Song „Internet“, das von einem Fender Rhodes Keyboard und einem Harmonica Solo von Mickey Raphael angetrieben wird. Es türmt sich hoch zur sechs minütigen Jamsession. Ein passendes und grandioses Ende zum Albumausklang.

Die Band hat immer schon in bluesigen Konventionen gespielt. Mit diesen großartigen Gast-Sängereinlagen ergibt sich eine sinnvolle Erweiterung und sie gehen in der Art ein wenig zum selbst produzierten Debüt zurück. Mit etwas weniger Folk als auf den Vorgängern, ist es über weite Strecken dennoch spannend und abwechslungsreich.

Erschien am 24. Februar 2017 via New West Records. Neben der Standard-CD und der LP gibt es „Sleeping Through The War“ zudem als limitierte Doppel-CD und als limitierte Doppel-LP. Die Bonus-Edition als 2CD und Doppel-LP enthält neben dem Original-Album sieben Bonustracks, die auf einer zweiten Disc/Vinyl-Scheibe enthalten sind. Diese Stücke entstammen den Demo-Aufnahmen, die im Vorfeld entstanden. Ausserdem als Tape erhältlich.

newwestlogo

Line-up:
Charles Michael Parks, Jr. – Vocals, Bass, Guitar, Mellotron, Percussion
Ben McLeod – Guitar, Bass, Mellotron, Percussion
Robby Staebler – Drums, Percussion
Allan Van Cleave – Rhodes, Organ, Piano, Mellotron

Additional:
Mickey Raphael – Harmonica (Internet)
Caitlin Rose – Vocals (Bulls, 3-5-7, Am I Going Up?, Alabaster)
Tristen – Vocals (Bulls, 3-5-7, Am I Going Up?, Alabaster)
Erin Rae – Vocals (Bulls, 3-5-7, Am I Going Up?, Alabaster)
Dave Cobb – Percussion (Bruce Lee)

all-them-witches-band

Tracklist:
01 – Bulls (6:40)
02 – Don’t Bring Me Coffee (3:10)
03 – Bruce Lee (3:11)
04 – 3-5-7 (3:56)
05 – Am I Going Up? (5:33)
06 – Alabaster (6:57)
07 – Cowboy Kirk (6:50)
08 – Internet (9:50)

all-them-witches-vinyl

All Them Witches – Bandcamp


 

Advertisements