Zone Six – Forever Hugo 2017

Zone-Cover

Zone Six wurde 1997 von Dave Schmidt (Sula Bassana) gegründet und war eine der ersten Bands ihres Genres: improvisierter Trance-Psych-Rock. Jetzt ist es der 20. Geburtstag der „Zone Six“ und sie klingen sogar noch wilder und freier als früher. Das Line-Up hat sich mehrmals in der Vergangenheit verändert und aktuell seit 2015, ist es eine Garantie für losgelassene Verrücktheit.

Dieses wahrhaft ungestüme Live-Album, wurde im „Graf Hugo“ (Feldkirch, Österreich), der zu den ausgeflipptesten Orten gehört, aufgenommen. Der Standort ist aber in Gefahr, weil die Stadt das Gebäude zugunsten einer Parkhaus-Zufahrt abreissen will. Es ist ein altes und atmosphärisches Gebäude mit viel Charme. Die Graf Hugo-Crew kämpfte gegen das Vorhaben an aber vergebens. Da war der Name für dieses Live-Album klar: Forever Hugo. Ein kleiner Keller voller verrückter Leute und ein besonderer Ort mit einer dementsprechend geladener Atmosphäre, was auch bei diesem Live-Mitschnitt zu hören ist. Laut einer Meldung vom 2.8.2016 wurde für das neue Jugendhaus ein Standort gefunden. Es ist das ehemalige Deutschmann-Areal an der Reichsstraße in Levis. Anfang 2018 schließt das „Graf Hugo“ seine Tore für immer. Mit dem Frühjahr 2019 beginnt der Einzug ins neue Jugendhaus. Ob es noch dieselbe Atmosphäre ausstrahlt bleibt abzuwarten.

Die A Seite des Vinyls mit „Surfin‘ Shiva“ gleitet mit flirrigen Gitarren aus dem Hafen. Einsprengsel mit Keys unterstützen das Plätschern der unruhigen Drohnen. Der Psycho-Vorbote baut sich auf und wird zum komplexen Getöse. Die Akkorde kommen aggressiv und werden unschärfer zu einer Art von dreidimensional gewordene Sprödigkeit. Verfallen dazu ins lethargische, heben dann wieder ab, drehen und bäumen sich auf um wieder zurück, zum unerbittlich subversiven Sound, zu kommen. Die Instrumente überschlagen sich nochmal um den Inferno-Schwall hinter sich zu lassen. Ein irres Musikgebäude türmt sich auf und formt eine Assoziation nach der anderen.

Das Vinyl gewendet und die B-Seite mit „A Million Little Shivas“ startet. Die Nummer beginnt abwartend. Instrumente irren durch die ersten Minuten und suchen eine Melodie die auch erscheint. Das zärtliche Abtasten zieht sich mit dieser Einleitung fünf Minuten hin. Ungewohnte Leichtigkeit durchwehen die transzentalen Passagen. Der Klangteppich der Instrumente nimmt zu, erhöht die Phonzahl und die Dynamik wird dichter. Schwerer stampfender Rhythmus mit heulender Gitarre, verzehrt das Thema zum futuristischen Kampf der Titanen. Leichtigkeit taucht nach zwölf Minuten zum durchatmen auf. Sie hält aber nur Momente. Das Dröhnen kommt unerbittlich wieder. Der Orkan verdichtet sich im schweren Fahrwasser der Doomsday-Szenerie. Der getriebenen Hochleistungsdialog der Instrumente kommt im skurrilen Kellergewölbe zum Ende und klingt aus.

Die Lehren die wir aus dieser musikalischen Darbietung ziehen können sind mannigfaltig. Monströs und leicht zugleich bringt sie die Zukunft der verlängerten Gegenwart eindrucksvoll auf die Bühne. Unsere Enkel werden die Schulden bezahlen müssen, die wir heute machen; unsere Ahnen werden sich mit den Klimaschäden herumplagen, die wir heute verursachen; und irgendeine Spezies, die vom Menschen abstammt, wird einmal all die Atommüllendlager besichtigen, die wir heute errichten – das was in 100 000 Jahren noch von uns übrig sein wird.

Erschien am 1. März 2017 als Digital Album. Das Colour Vinyl mit 500 Stück über Deep Distance Recordings.

Line-up:
Rainer Neeff – Guitar (The Pancakes, Krautzone and Ex-Embryo)
Sula Bassana – Drums und Keys (Electric Moon, Krautzone, Ex-Liquid Visions)
Komet Lulu – Bass (Electric Moon, Krautzone)

Zone-Band

Tracklist:
A Seite – Surfin‘ Shiva (21:31)
B Seite – A Million Little Shivas (22:54)

Graf Hugo

Zone Six LP

Zone Six – Bandcamp


 

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