Hisko Detria – Pontiak – Stupid Cosmonaut 2017

Drei Bands und ihre neuen Veröffentlichungen, die unbedingt eine spezielle Erwähnung erfahren sollten, werden hier zusammen in einem Block vorgestellt. Sie kommen aus USA, England und Finnland, haben jeweils spannende Klangwerke geschaffen und dazu jede Menge musikalisch reichhaltige Kost zu bieten.

 

Hisko Detria

Hisko Detria – Mal du siecle 2017

„Hisko Detria“ hat seinen Namen von dem Phänomen, das Licht und Optik miteinander verbindet. Eine experimentelle Band, die mit Uran gefüttert ist, gerne Roboter-wütende Funk-Rhythmen spielt, die wiederum in Voodoo-Riten am Altar des Wah-Wah-Gottes geopfert werden. Jenseits des offensichtlichen Hinweises auf den deutschen Kraut-Rock, zielt der Klang von „Hisko Detria“ auch auf andere Elemente, von kosmischer Musik zu Science Fiction.

„Mal du Siècle“ erzählt eine Geschichte von Paranoia und verdrehter Nostalgie mit Inspirationen von Phillip K. Dick, dem Autor von A Scanner Darkly und Blade Runner. Es ist eine Vier-Spur-Reise, die sich anfühlt als wenn du in einer Wüste mit Eidechsen aufwachst und mit einem Wiegenlied wieder einschläfst. Ein Album, das den Geist mit den introspektiven Klanglösungen kosmisch bewegt. „Vitamin E“ öffnet den Rekord mit Stahlrhythmen und Raumfahrten, die grausam in Gitarrenartefakte kondensieren sowie zerfallen. Als wenn Beelzebub selbst aus dem Feuer kommt, verlangsamt sich der Rhythmus, um zu einer orthodoxen Liedform zu führen. Aber die Wah-Wah-Drifts sind immer noch da, laufen in das Finale über und mischen sich mit analogen Synthesizern zum kosmischen Vakuum. Es ist ein Rennen ohne Hoffnung, das am Ende den Lärm wegschmettert und als natürlicher Abschluss eines nervösen und überreizten Weges seinen Sinn findet.

Mit „Cul de Sac / Secret Sound“ kehren wir in die kanonische Form eines Liedes zurück, die aber später zur groben Spur in naturalistische Traumversuche übergeht. Das Flüstern der Soundbrise kollidiert mit der Flöte zum unruhigen Geist. Der „Schlager Unter Staatssreich“ wagt den Funky von Gang of Four. Schizophrene Gitarren-Riffs mit eindringlichen und kraftvollen Bass. Die Drums emulieren und bringen den Grundrhythmus zur feurig funkigen Progression. „Sugar Hills“ beginnt mit einer langsam bukolischen Landschaft, die sich auf dem Weg verdichtet, dann aber mit mehr Flüssigkeit und Experimente fortgeführt wird. Das ist der Höhepunkt des Albums. Es sind angenehme Modulationen von Keyboards, die mit seltsamen Stimmen kommen, wie ein murmender Druide der in der Natur unterwegs ist. Ein geheimnisvoller Abschluss des Albums.

Das Album erschien am 24. März 2017 via Svart Records als Black Vinyl und auf CD.

svart

Line-up:
J – guitar/vocals
K – drums
A – bass
A – synth

Tracklist:
01 – Vitamin E (10:11)
02 – Cul de Sac / Secret Sound (7:46)
03 – Schlager Unter Staatsstreich (5:01)
04 – Sugar Hills (18:57)

Hisko Detria – Bandcamp


 

Pontiak

Pontiak – Dialectic Of Ignorance 2017

Das neue Album der drei Carney-Brüder überrascht, wie sie Songs miteinander verbinden können. Der hypnotische Bass zieht an und verlässt selten seinen Weg. Die mentale Sonne erscheint und verflüchtigt sich in den musikalischen Strukturen. Ein Westküsten-Psych, der zur Hochform aufläuft. „Ignorance Makes Me High“ ist ein solcher Song, der sich mit seinem sehnigen Bass in den Kopf gräbt. Melodische Gitarrenstiche mit monoton und melancholisch geprägten Vocals drängen durch die Klangwelt.

Danach kommt die 60er beladene Reise durch „Tomorrow is Forgetting“. Eine schamanische Hymne an die neue Generation. Es gibt aber auch Songs, die mit ausdrucksvollen und nachhaltigen Riffs beladen sind. Die Gitarren werden vor allem für den Rhythmus-Bereich verwendet, der den nötigen schweren und eindringlichen Klang liefert. Es funktioniert ausgesprochen gut und der gesamte Sound geht nun bei ihrer aktuellen Veröffentlichung einen ganz eigenen Weg.

Die Musik ist sehr expansiv und explosiv. Wie sie sich hier entwickelt haben ist sehr bemerkenswert. Es ist ein Album, das man bedenkenlos laut abspielen kann. Die narkotische Atmosphäre ist auch ohne Drogen stark genug.

Das Album erschien am 24. März 2017 via Thrill Jockey als Yellow Vinyl und auf CD.

thrill-jockey

Line-up:
Lain Carney
Van Carney
Jennings Carney

Tracklist:
01 – Easy Does It (8:02)
02 – Ignorance Makes Me High (5:53)
03 – Tomorrow is Forgetting (5:48)
04 – Hidden Prettiness (5:12)
05 – Youth and Age (4:46)
06 – Dirtbags (4:27)
07 – Herb is My Next Door Neighbor (6:14)
08 – We’ve Fucked This Up (6:12)

Pontiak – Bandcamp


 

stupidcosmonaut-algol

Stupid Cosmonaut – Algol 2017

Das Debüt-Vinyl-Album von „Stupid Cosmonaut“, kommt im Electronic-Outfit aus dem Nordwesten von England. „Algol“ bietet den perfekten Soundtrack zu Science-Fiction-Filmen. Die musikalische Darbietung lädt wortlos ein, mit kaleidoskopischen Gitarren und dunklen Synths, durch eine atemberaubende Space Odyssee zu fliegen, bevor sie von den ungezähmten Kräften des Weltraums zerstreut werden. Der Klang durchdringt die äußere Reichweite des Ambient-Space-Rocks, während im inneren Kern, dunkle und atmosphärische Synth-Wellen wabern. Wunderschön produzierte Percussion und Schwaden von minimalistischen Drohnen bringen zusammen einen Sound zum einzutauchen und wegschweben.

Mit „The Demon Star Pilot“ treten wir eine spirituelle Reise im Nebel an. Mit der Percussion geht es weg vom dunklen Ambient-Drohne zu einem raumartigen Post-Rock der in die Ferne treibt. Apathisch driften die Schallwellen ins Ungewisse, was die Kosmonauten in der Dunkelheit erwartet. „Passing Between Dancing Giants“ ist musikalisch weitaus expansiver. Die Eröffnung wendet sich zu einem herrlich kosmischen Gefühl mit Geheimnissen, was in seiner Dramatik etwas spielerisch kommt. Obwohl der zunehmende Einsatz von Drums und melodischen Synthesizer die Soundstrecke langsam vom Sci-Fi auflöst. Die Klangsphäre ist ähnlich kathedralhaft überspannend und geistig einfassend. Das Album-Finale „Barus“ rollt wie eine entgültige Sonnenfinsternis daher, die mit dunklen jenseitigen Chören, wie ein langsam verlöschender Stern wegtaucht. Ein glühender Riese, der durch die Unendlichkeit reist, seine Hitze erhebt und in Flammen zerbricht. Östliche Melodien sickern dazu in die Mischung ein.

Kurz gesagt, eine absolute Schönheit, reich an Atmosphäre und mit der Gabe schwerelose Visionen zu zaubern. Mit diesem hörenswerten Sound, spreche ich der Band ein starkes Kompliment mit zusätzlicher Empfehlung aus.

Das Album erschien am 3. März 2017 via Drone Rock Records  als Splatter Vinyl mit 300 Stück und auf CD.

Drone

Line-up:
Sam Read,
Steve McNamara,
Andy Hunt
Mark Hawnt

Tracklist:
01 – Solitary Stasis (4:13)
02 – The Demon Star Pilot (17:05)
03 – Passing Between Dancing Giants (7:06)
04 – Barus (11:49)

Stupid Cosmonaut – Bandcamp


 

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