Ecstatic Vision – Mythic Sunship – Farflung 2017

Drei Bands und ihre neuen Veröffentlichungen, die unbedingt eine spezielle Erwähnung erfahren sollten, werden hier zusammen in unserem Block vorgestellt. Sie kommen aus den USA und Dänemark, haben jeweils spannende Klangwerke geschaffen und dazu jede Menge musikalisch reichhaltige Kost zu bieten.

Ecstatic Vision-Cover

Ecstatic Vision – Raw Rock Fury 2017

Die Band aus Philadelphia kommentierte das neue Album: Mit „Raw Rock Fury“ haben wir ein Album für Hörer gemacht, die ungeschliffene Space-Rock-Aufnahmen hören wollen. Treibende Rhythmen von Sly & The Family Stone werden mit Klängen von Hawkwind kombiniert. „Raw Rock Fury“ bringt auch viel krautische Motorik, die an die einmalige obskure Zusammenarbeit zwischen NEU und dem MC5 erinnern, nicht zu vergessen Tangerine Dream. Der Klang ist farbig, klangreich und durch noch mehr Jazz/Fusion Schattierungen angereichert. Der Ansatz der Band passt in den strukturierten Tracks, die miteinander verbunden sind und fast schon ein Unikum darstellen.

Das Album öffnet mit einem sehr kurzen Intro, des ersten langen Tracks „You Got It (Or You Don’t)“, der nach sieben Minuten kräftig an Fahrt zulegt. Mit „The Electric Step“ halten sie es lose. “Twinkling Eye“, eine drei-teilige-Suite, mit der „Ecstatic Vision“ ihr Bestes geben. In jedem Track schaffen sie eine aufregende Reise durch die lysergisch getränkte Unendlichkeit, die hypnotisiert und überrascht, wo Gitarren, Synths und Saxophon zu einer einzigartigen Atmosphäre verschmelzen. „Raw Rock Fury“ klingt Vintage und Modern zugleich. Es ist ein Ausflug in die Vergangenheit, wo nur Drogen genommen wurden, was aber Heute nicht mehr gebraucht wird. Diese Musik für sich allein reicht schon aus. Ein Meisterwerk des neuen Space-Rocks.

Das Album erschien am 7. April 2017 via Relapse Records als Splatter und Black Vinyl und auf CD.

Relapse_Records

Line-up:
Doug Sabolik – Guitar, Vocals
Michael Field Connor – Bass
Jordan Crouse – Drums
Kevin Nickles – Sax

Tracklist:
01 – You Got It (Or You Don’t) (7:59)
02 – The Electric Step (9:19)
03 – Keep it Loose (4:58)
04 – The Twinkling Eye (14:07)

Ecstatic Vision – Bandcamp


 

Farflung-Cover

Farflung – Unwound Cellular Frown 2017

Farflung zählen zu den Vorreiter der Contemporary-Space-Rock-Szene. Auf ihrer Facebookseite bezeichnen sie es so: „Spacerock for 21st Century Heads“. Wie eine kosmische Kapsel aus dem Weltraum. Farflung hat die Köpfe der Menschen mit ihren Tauchbomben-Moogs und hypnotischen Riffs in den letzten zwanzig Jahre sehr verändert. Ihr treffend betiteltes Debut „25.000 Feet Per Second“ katapultierte sie Mitte der 90er an die Spitze des Spacepsych-Undergrounds. Sie haben mit zahlreichen Musikern wie Nik Turner (Hawkwind) und Damo (Can) zusammengearbeitet, um nur einige zu nennen.

Eine nicht zu weite Reise, 33 Minuten sind es, aber voll mit komplexen Space-Grooves und knallenden Riffs. Stell dir vor es würden die frühen Hawkwind aus der Asche in Amerika auftauchen und Pink Floyd gesellt sich dazu. Krass und schimmernd … im energetischen Glanz der Stooges gebadet, die zum Verrückten erhoben wurde und nach Wunden leckt. Sie haben ihren Kurs in die weitesten Reichweiten des Universums gesetzt. Befestige deine Sicherheitsgurte, betätige die Atemgeräte, die Rakete geht hoch und die Schwerelosigkeit tritt ein.

Das Album erschien am 7. April 2017 via Heavy Psych Sounds als Black Vinyl und auf CD.

Heavy

Line-up:
Tommy Grenas – Vocals/Synth
Michael Esther – Guitar
Ryan Kirk – Guitar
Andrew Scott – Guitar
Paul Hirscher – Bass
Rodney Rodriguez – Drums

Tracklist:
01 – You Will Kill For Me (5:51)
02 – We Wish For Wounds (8:17)
03 – Unwound Celluloid Frown (4:00)
04 – Axis Mundi (12:52)
05 – Silver Ghosts With Crystal Spoons (3:28)

Farflung – Bandcamp


 

Mythic Sunship Cover

Mythic Sunship – Land Between Rivers 2017

Auf dem 2. Album von „Mythic Sunship“ aus Kopenhagen kommen noch dickere Grooves aus der Nische der ausgedehnten Fuzz-Reisen. Alles ist hier: Wilde echo-verirrte Gitarren, dicke Basslines und dazu galoppierende Myriaden an den Drums. Es ist ungezähmte Energie die durch den tief geerdeten Ton gehalten wird. Jonas Munk von Causa Sui übernahm das Mischen und verstärkte den erdigen Schmelz. Ich mag die Unmittelbarkeit ihrer Musik, den Punk-Ethos, die Jazz-Sensibilität mit Prog-Space-Stoner Elementen, die innovativ und avantgardistisch ist aber auch zugänglich und seltsam cool rüber kommt. Vielleicht ist es das, was man von einer Band erwarten kann, die sich nach Alben von Sun Ra (Of Mythic Worlds) und John Coltrane (Sun Ship) benannt hat. Für „Mythic Sunship“ ist es jedoch ein passender Ausgangspunkt für das, worum es dieser Band geht.

Die Eröffnungsspur „Nishapur“ hört sich anfangs wie ein solider Stoner an. Sie halten alles schön im Griff. Aber sobald man sich dabei wohl fühlt, kommt die Band zum Ganzen und wird wahnsinnig intensiv. Danach „High Tide“, der mit Fragmenten von Stones-Riffs aus „The Last Time“ zu beginnen scheint. In Wirklichkeit intensiviert sich die Strecke zu einer kraftvollen Fahrt. Dieses Riff-Fragment erscheint immer wieder in verschiedenen Formen. Ein totales Monster von Track, der Klang einer Band in Topform und völlig entfesselt. Die Improvisationen brechen unter der Intensität zusammen, aber sie kommen immer wieder zurück. Der Final-Track „Silt“ ist noch schwerer mit den Rhythmusabschnitten und es hämmert der Beat. Mit dem Gitarrenangriff kommt es zum monumental schweren Lauf, der alle Dämonen von Mittelmäßigkeit wegfegt und dich am Ende seltsam gereinigt zurücklässt.

Mit „Land Between Rivers“ hat es Mythic Sunship geschafft, Klangschichten anzureichern, die das Album noch roher als sein Vorgänger macht. Das sind drei sehr intensive Tracks, die verschiedene musikalische Genres und Philosophien in ein Ganzes verschmelzen, das sowohl faszinierend als auch erschreckend ist.

Das Album erscheint am 28. April 2017 via El Paradiso Records als Black Vinyl und auf CD.

Paradiso-logo

Line-up:
Emil Thorenfeldt
F. E. Denning
Kasper Stougaard Andersen

Tracklist:
01 – Nishapur (15:31)
02 – High Tide (13:16)
03 – Silt (6:19)

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