Quad – Quad 2017 (1997)

Quad-cover

„Quad“ das ursprünglich „Liquid“ hieß, war 1991 als Soloprojekt zu „Sun Dial“ entstanden. Gary Ramon nutzte die Kombination von Ambient-Electronica mit Krautrock. Das Ergebnis sind ein paar selbstbetitelter Alben. Das erste wurde auf Ramon‘s eigenen Acme Records im Jahr 1997 als 1000-copy limitierte Auflage auf klarem Vinyl veröffentlicht und ist längst vergriffen. Das zweite Quad Album wurde 1998 auf dem Prescription Label in 99-copy limitierter LP-Edition veröffentlicht. Alle Achtung an Dave Schmidt, am 26. Mai 2017 erscheint endlich das langersehnte Re-Release bei Sulatron.

Gary Ramon wurde sicher von der sehr guten Quad-Musikanlage seines Vaters, zu dem Projektnahmen inspiriert. Mit einem musikalischen Schulfreund Anthony Clough, der später auch bei Sun Dial dabei war, hat er seinen Kassettenrecorder in die Anlage eingesteckt um Songs aufzunehmen. Es war sehr experimentell aber so fing seine Laufbahn mit 12 Jahren an. Mit 14 kaufte er sich einen gebrauchten 50-Watt-Carlsbro-Verstärker, von Freunden kamen noch Amps und Instrumente zusammen und so ging es los. Also machten sie nun jeden Samstagabend ihre Musik. Musikalisch ging es in Richtung Krautrock mit experimenteller Musik.

Quad-Musikanlage

Er hörte die ersten Pink Floyd-Alben, sie erschienen so überirdisch und magisch, was ihn gehörig auf die Beine brachte. Später kam die Schulband A.D.H.. Keiner konnte gut spielen aber das war nicht wirklich wichtig. Sie nahmen alles auf seinen kleinen Ferguson-Radio-Kassettenrecorder auf, der auch ein eingebautes Mikrofon hatte. Das Beste war tatsächlich auf der Kassette „Musical Anarchy“ von etwa 1980. Es wurden etwa 50 Stück aufgelegt und klang nach einem Floyd-Jamming mit Amon Düül.

Durch eine farbenfrohe Soundbedeckung in eigenwilliger Eleganz, wird dem Hörer bereits vor Erklingen des ersten Tons ein Anblick geboten, den er so schnell nicht vergessen wird. Die drei Kompositionen erscheinen in außergewöhnlicher Atmosphäre, mit assoziativen Details zu Shiva, in ihrer eigenen musikalische Sprache. Was folgt ist eine facettenreiche und eigenwillige Form aus experimentaler Musik.

Mit „Tempel“ rauscht das erste Stück des Albums ein. Grillengezirpe gesellt sich in die schwebende Melodie. Im indischen Unterton kommt die Sitar in großer Umsicht geformt und modelliert. Verdichtungen und Intensivierungen steigen aus tiefstem Inneren empor. Was Gary Ramon ausgezeichnet beherrscht, ist aber vor allem die Kunst der harmonischen Proportionen. Alles passte hier zusammen. Lautstärke, Substanzvolumen und Bewegung der Dynamik. Die kontrastreich fließende Melodik liefert kaum Füllstoff, der als Baumaterial hätte dienen können. Keine dunkle und zähe Masse, vielmehr ein warmes Timbre einer vergnüglichen Wanderung durch bildreiche Naturstimmungen.

Bei „Projection“ leitet eine asketische Orgel in filigraner Leichtigkeit ein. Verzehrrungen mit Gitarre verdichten den Klangmix in karger und spröder Schärfe. Fernöstlichen Musik wird erstaunlich präzise eingeworfen. Kein Thema blieb hier exakt gleich sondern entwickelt sich in reizvoller Variationsarbeit immer weiter. Durchaus auch als Rücknahme und Reduktion aufs Wesentliche, um sich aufzulösen – um wiederum anschließend ganz neu zu erstehen.

Die volle B-Seite des Vinyls „Revisitation Mantra“ wird mit gefühlvoll suchenden Tönen eröffnet. Ansprechende Effekte gehen dabei ungemein pfiffig zu Werke. Alles, was Geräusche erzeugt ist für das Spiel brauchbar, was den vielen atmosphärischen Ausprägungen entscheidende Impulse verleihen kann. Eine angenehme Frauenstimme spricht zur östlichen Instrumentierung und der Bass unterstützt präzise die Stimmigkeit des Verbunds. Dazwischen immer wieder betörend schöne Rücknahmen und innig zarte Offenbarungen voller Wärme. Gary Roman ist ein höchst rational arbeitender Komponist. Was hier letztendlich zum Ausdruck kommt, ist prägnant gesteigert und in direkter Schlichtheit formuliert.

Die Musik von „Gary Ramon“ ruft dem Hörer zahlreiche Bilder in den Kopf. Die Klänge spiegeln eine ureigene, unkonventionelle musikalische Vision. Mit  avancierter Harmonik und lyrischer Rhythmik entwirft er ein schillerndes Soundgewebe.

Erscheint am 26. Mai 2017 via Sultron Records als limitiertes Orange Vinyl mit 500 Stück. Eine Doppel-CD mit dem 1. und 2. Quad-Album ist in Planung.

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Line-up:
Gary Ramon

Tracklist LP:
A Seite – 01 – Tempel (14:58)
A Seite – 02 – Projection (7:22)
B Seite – 01 – Revisitation Mantra (21:31)

Ramon

Facebook – Gary Ramon

Gary Ramon Discography:

The Modern Art (1984 – 1989)
Cassette Releases
1984 Underwater Kites (Acid Tapes TAB005)
1985 Oriental Towers (Acid Tapes TAB006)
1985 Dimension of Noise (Self Released)
1985 Modern Artefact no.1 (2-track cassette in A5 plastic wallet)
1986 Modern Artefact No. 2
1986 Age of lights (Independance, Germany)
1986 Pastel Sunrise
1986 Souvenir (with the Cleaners from Venus)
1987 Living in the Distortion Parade
1987 Modern Art (with Opera Multi Steel)
1988 Collectors Item
1988 Guitars on Fire
1988 Full Tilt at the Chocolate Factory

Quad
1997 QUAD 1 (Acme 8020LP) 250 only clear vinyl
1998 QUAD 2 (Prescription 3 LP) 100 only
2004 QUAD Live ICA Juni 1997 (Prescription CD)

Sundial (1989 – Present)
1990 Other Way Out LP (Tangerine)
1991 Overspill EP 12″/CD (UFO 45002T)
1992 Reflector LP/CD(UFO8)
1993 Libertine LP/CD 1993 (Beggars Banquet/atlantic BBQ138)
1993 Return Journey LP/CD (Acme 8001)
1994 Other Way Out CD (Acme 8003)
1995 Acid Yantra LP/CD (AC8011/BBQ173)
1996 Live Drug LP/CD (AC8015)
2002 Out of space out of time c/w wild bug (ace of discs 001)
2003 Zen For Sale — Acme Records
2007 Shards Of God — Acme Records
2007 Libertine – Deprogrammed — Acme Records
2010 Sun Dial — Shrunken Head
2012 Mind Control — Tangerine Records
2016 Made in the Machine — Sulatron Records


 

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