The Electric Family – Terra Circus 2017

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Mit dem 1997 erschienenen Debüt-Album „Welcome to the Family Show“ und dem zwei Jahre später veröffentlichten Nachfolger „Tender“ hat sich „The Electric Family“ schon lange fest etabliert. Nun überrascht ihr Projekt mit dem neuen Album „Terra Circus“. Es sind zehn Jahre vergangen seit „Royal Hunt“.  Musikalisch verflechten sie vieles, über Prog-, Kraut-, Punk-, Country- und Folkrock. Es sind nunmal Musiker die es können. In zweieinhalb Tagen waren die sieben Songs im Kasten.

Ich kenne Tom Redecker von „The Perc Meets The Hidden Gentlemen“, mit seinem 1991er Konzeptalbum „Lavender“. Es erfreut mich bis heute und ist immer wieder hörenswert. Es wurde damals mit befreundeten Musikern aus Bands wie (Deine Lakaien, Phillip Boa, Lolitas und Fehlfarben) aufgenommen. Etliche weitere befreunde Musiker kommen weiterhin ins Studio und auf die Bühne, aus Bands wie Amon Düül II, Die Ärzte, Grobschnitt, Lokomotive Kreuzberg, Pankow, Rockhaus, Mojo Club, Emsland Hillbillies usw.

Man wusste also vor dem nun erscheinenden sechsten Album „Terra Circus“ gar nicht so recht, was man erwarten sollte oder vielmehr; was man noch erwarten durfte. Und wenn man die Platte nun hört, hat man das Gefühl, dass es auch der Band selbst ein wenig so gegangen sein muss. Glücklicherweise. Nichts ist im Rock ja so unsinnig und zum scheitern verurteilt wie eine Band, die zwanghaft versucht, sich selbst zu übertreffen. Sie sind viel zu clever. „Terra Circus“ ist so ein typisches The Electric Family-Album geworden, aber eines, für das die Band unüberhörbar zwei Gänge hochgeschaltet hat. Es ist dadurch ein sehr erfrischendes und spontanes Werk zu Tage gekommen.

Sieben Songs bei knapp 45 Minuten Spielzeit versammelt „The Perc“ mit seiner Truppe auf diesem Album. Das Werk mit „Movin“, ein mühelos geronnener Schrammelrock, der nach vier Minuten mit Soli zu einem unwiderstehlichen Ganzen wird. Die Vocals von Rolf kommen dabei Glasklar rüber. Die Coverversion „Lucrecia, My Reflection“ von Sisters of Merci wird mit der Sitar von Payuta zu einer ganz andern Rock-Meditation. Er wird in alle seine Teile zerlegt, bevor er wieder aufersteht und ist fast vier Minuten länger als das Original von 1987, aus dem Album „Floodland“. Die Stimme von Tom hat eine ähnliche Dunkelheit wie die von Eldritch und mit der klasse String-Gitarre werden die letzten drei Minuten zum wahren Erlebnis. „When Dizzyness Comes Around“, das Timing stimmt auch hier, schnelle und treibende Beats bestimmen den Song. Das sorgfältig ausgewählte Cover der Krautrock-Heroen Can „Mary, Mary, So Contrary“ kommt mit drei Stimmen die sich abwechseln, Redecker, Payuta und Kirschbaum sind am Mikro. Im Original aus dem Debütalbum „Monster Movie“ von 1969. Es ist eine ähnliche musikalische Vielfalt von Electric Family zu Can vorhanden, auch mit der Auffassung und Denkweise. Der Song beginnt gemächlicher, relaxter und steigert sich, mit klaren Gitarrensoli untermalt, weiter zur feinen Orgelarbeit. Eine sehr gelungene Version ist aus dem Original geworden. Das folgende „Landmark Visions II“ erinnert mich mit dem Sprechgesang an die Hidden Gentlemen-Zeit. Tom`s String Gitarre kratzt sich verzehrt nach zwei Minuten ein, Orgel mit Gesang kommt wieder, lässt nach und groovt instrumental bis zum Ende. Im Instrumentalstück „Santuario“ kommt Harry mit seiner Sitar voll zum Einsatz – seine Nummer! Eine entspannte und friedliche Stimmung zieht durch. Er beherrscht sein Instrument wie ein indischer Musiker. Mit „Name the Dreamboat (Call it Wreck)“ endet das Album in einer Jam Session, bei der die sechs Musiker an ihren Instrumenten so richtig Vollgas geben, bei der man in Habachtstellung da sitzt und lauscht. Eine tolle Nummer und der würdige Abschluss.

Das Album ist sehr facettenreich gestaltet und macht einfach nur Freude. Ich kann nur den Hut ziehen vor soviel Professionalität und musikalischer Höchstleistung. Hier muss man neidlos anerkennen, dass sich hier sechs sehr gute Musiker zusammengefunden haben um solch ein gereiftes Album zu veröffentlichen.

Das Album erschien am 5. Mai 2017 via Sireena Records als Black Vinyl auf 500 Stück limitiert und auf CD im DigiPak.

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Line-up:
The Perc – Vocals, Guitar
Harry Payuta – Vocals, Sitar, Bass
Rolf Kirschbaum – Vocals, Guitar
Hanno Janssen – Drums
Anders Becker – Keyboards
Steff Ulrich – Drums

Electric-band

Tracklist:
01 – Movin‘ (6:59)
02 – Lucrecia, My Reflection (8:48)
03 – When Dizzyness Comes Around (3:58)
04 – Mary, Mary, So Contrary (6:14)
05 – Landmark Visions II (7:38)
06 – Santuario (2:54)
07 – Name the Dreamboat (Call it Wreck) (7:48)

The Electric Family Discography:
Welcome to the Family Show (1997)
Tender (1999)
Pueblo Woman (2000)
Ice Cream Phönix (2003)
Royal Hunt (2007)
Ice Cream Phönix Resurrection (2012)
Terra Circus (2017)


 

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