Cobra Family Picnic – Magnetic Anomaly 2017

Cobra Family Picnic

„Cobra Family Picnic“ driften unwiderstehlich aus Tucson heran und bezeichnen sich selbst als Psych-Space-Noiserocker. Sie veröffentlichten im Mai diesen Jahres ein atemberaubendes Album mit dem Titel „Magnetic Anomaly“. Die Band kommt mit rhythmischen Kraut-Rock, experimentellen Neo-Psych und kosmischer Leichtigkeit daher.

Es ist ein faszinierender und fesselnder Rummel durch diese musikalische Welten. Die Mitglieder der Band rekrutieren sich aus einer Vielzahl anderer lokaler Tucson-Psych-Ensembles, wie The Desert Beats, The Night Collectors und Wight Lhite.

Der Beginn ist ein Countdown zum Raketen-Start auf „Draags“. Ein Start zu einem krautgewebten Flug. Die Fuzz beladenen Gitarren stricken ein verschleiertes Muster über funky Synths und jazzige Drums. Die Vocals sind fast unhörbar gedämpft. Das aufkommende Gefühl ist locker aber sehr ansteckend. Die Percussion hält einen rhythmischen, fast prozessualen Beat. Auch die wellenförmige Keyboard-Nervenkitzelei und das Wummern der Bassfrequenzen ist faszinierend. Ein schönes Sprungbrett in eine tief experimentelle Ansammlung von Spuren, die auf eine Reise der klanglichen Entdeckungen geht. „IPT 001“ ist reinste Berliner Schule … Drohnen und Electronica, die sich mit den seltsam verstümmelten Vocals kombinieren. Ein Intermezzo, ein Experiment.

„Elysium“ schüttelt gleich kräftig durch, und kommt schnell zu Wellen von Tamburin. Drummuster umhüllen eine pochende Basslinie, während das Wah-Wah-Pedal mit spiralförmiger Elektronik einspielt. Eine sehnsüchtige Stimme kommt zur Instrumentierung und pulsiert psychedelisch aufgeladen in den Äther. Im weiteren Verlauf wird ein wütende Schall-Behemoth daraus. Revoltierende Drohnen, mit sporadischen, aber eindringlicher Vokalisation kündigen die Ankunft von „IPT 011“ an. Weiter geht es in die nächste experimentelle Welt von intensiv dissonanter Electronik.

„Frost“ ist ein Gipfelstürmer. Der motorische Rhythmus und die groovend beladene Gitarre bilden die Basis zu den klagenden Vocals. Begleitet von Tamburin und wirbelnden Drohnen leiten die Gitarren den kollektiven Schallschwung ein. Die erhabenen Vocals mit den Lead-Linien verdrehen die Stimmung von metronomischer Beschwörung zum aufsteigenden Space, bevor sie zum Ende in lysergische Ruhe verfallen.

„Gilgamesh“ erhebt sich mit Gitarre und einer Bassline, die wie ein Hammer auf den Daumen schlägt. Melodische fuzzy Bassfrequenzen schlängeln sich in die Ohrmuscheln, unterstützt mit einem Schimmer von Tamburin. Gitarren umkreisen die Stimme. Eine Orgel fügt sich in die Atmosphäre ein und leitet über zu „IPT 111“. Er ist der abstrakteste, mit Synths und Percussion. Diese Zwischenspiele sind ein Hauch von Genie und Wahnsinn. Sie geben der Struktur des Albums den intellektuellen Blick auf das was über normaler psychedelischer Treiberei liegt.

„Moody Mountain“ ist ein langsamer Brenner. Beginnend mit sonnengebackenen Gitarren und mehr Tribal Drums. Eine Klanglandschaft von warmer Brise. Was immer deutlicher wird, Cobra Family Picknick produziert die Musik mehrschichtig aufgefächert und darum kommen sie sehr faszinierend rüber.

Das Album endet mit „Contact“. Einem Song, der, auf Krautrock-Basis mit schaukelnden Synths und dem Feedback der Hall-Gitarre, die Magie zaubert. Electronica blüht auf, kosmischen Rhythmen und eine Post-Punk-Launenhaftigkeit sorgen für das richtige Maß. Dieser Track ist eine neunminütige Fahrt durch pulsierende und süchtig machenden Bass-Linien mit Echo-Gesang. Das fantastische Ende eines verrückten Albums. Es ist packend und detailgenau im Ausdruck der Instrumentierung, zugleich souverän in den ruhigen Passagen und extrem attackierend in den gellenden Höhepunkten.

Die „Magnetische Anomalie“ ist ein erstaunliches Record. Verpackt mit allem, was das Psych-Liebhaberherz begehrt und hören muss. Es bleibt in der gesamten Instrumentierung durchweg sehr spannend. Zudem haben Cardinal Fuzz und Sky Lantern ein Ohr für Qualität, das haben die beiden Labels immer wieder bewiesen.

Das Album erschien am 22. Mai 2017 via Cardinal Fuzz/Sky Lantern Records auf Vinyl. Die CD erscheint am 27. Oktober 2017 bei Sulatron Records.

Tracklist:
01 – Draags (4:06)
02 – Interplanetary travel 001 (2:57)
03 – Elysium (7:11)
04 – Interplanetary travel 011 (3:29)
05 – Frost (7:42)
06 – Gilgamesh (5:15)
07 – Interplanetary travel 111 (2:32)
08 – Moody Mountain (5:11)
09 – Contact (9:01)

Cobra-Band

Line-up:
Lesli Wood – Keys, Tambourin, Synts
Boyd Peterson – Bass
Daniel Thomas – Drums
Connor Gallaher – Guitar
Randall Dempsey – Vocals
Richard Young – Additional guitars on Contact & Elysium

Cobra Family Picnic – Bandcamp



 

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