Freak Valley Festival 2018

6-Bands

Ich bin am Donnerstag um 9:50 Uhr 30 Minuten verspätet eingetroffen, ein paar Minuten noch dann hätte das Festival ohne mich stattgefunden. Das Glück auf meiner Seite wie so oft, rein ins wartende Auto, 520 Kilometer wurden runter gespult. Gegen 15:30 Uhr sind wir in der Pension eingetroffen, zumindest zu Mother Engine wollten wir pünktlich da sein. Vier weitere Freunde waren bereits da, jetzt zu Acht. Das Taxi wurde bestellt und ab gings auf das Festivalgelände.
Die vorhergehende Band „Ruff Majik“ nahm ich nicht wirklich war, „Mother Engine„ war wichtig um dabei zu sein. In diesem Bericht geht es um 6 Bands aus 35, die für mich herausragend waren, aber das ist bekanntermaßen Geschmacksache. Bei mehreren Bands wie „Humulus“ oder „Nap“ waren wir noch nicht auf dem Gelände, der Mittwoch fiel ganz aus.

Unsere erste Sichtung war also „Mother Engine“ aus Plauen, wegen denen die flotte Anfahrt. Sie eröffneten mit „Tokamak“ aus ihrer letzten Scheibe „Hangar“. Er kommt mit fuzzig-bluesigen Riffs, der sich von Minute zu Minute steigert. Schon jetzt wird mir klar, dass dieser Auftritt nicht langweilig werden kann. Sie wissen genau was sie mit griffigen Stoner-Riffs erreichen können. So weckt der klirrende Treibstoff auch endgültig den letzten Halbschläfer auf. Die folgenden Tracks fetzen weiter dynamisch unter Sprit von Space, Psych, Prog, Post, Stoner übers Gelände. Vier Nummern dürften es gewesen sein, klar hätte es auch länger sein können, das Repertoire wäre da. Aber besser kurz als gar nicht anwesend. Uns hat es sehr gut gefallen und den meisten Anwesenden auch.

Der Abschluss des Donnerstags war „OM“ aus San Francisco, die allgemein nicht so gut ankamen, es war ihnen zu träge. Bei mir funkte ihr Sound schon. Die Hauptelemente sind Bass mit Gesang und Schlagzeug, unterlegt mit allerlei exotischen Sounds. Al Cisneros ist ein umtriebiger Musiker der auch mit Sleep unterwegs ist, eben erst ist mit „The Sciences“ ein neues Album erschienen. Die Band Shrinebuilder von 2009 dürfte auch noch mancher kennen, mit Wino, Scott Kelly, Dale Crover und eben Cisneros. Der Gesang klingt bei OM mehr einem Sprechgesang, der sich mit der Bassgitarre verbindet. Die Liedtexte zielen meist auf Transzendenz ab die durch Rhythmus strukturiert werden. Cisneros spielt fast ausschließlich Bassgitarren des Herstellers Rickenbacker. Besonders ausschlaggebend für den Klang ist diese hypnotisch-knirschende Verzerrung, die echt reinhaut. Bei mir kam es sehr gut an, und bin von OM noch mehr Fan geworden.

Am Freitag um 16 Uhr war „Black Bombaim“ aus Portugal mein nächster Höhepunkt. Eine epische Gitarrenband, die massiv groovig daher schleicht, und gegenüber den Studioscheiben mit einem zusätzlichen Energieschub rüber kommt. Dies wird auch durch den unermüdlichen Power erreicht, der unter die Haut geht. Es ist ein massives gitarrengetriebenes Ungetüm, das unermüdlich in der Verfolgung von großartigen psychedelischen Riffs ist. Eine sehr einprägsame Vorführung an diesem Nachmittag, klasse und wuchtig im Feeling.

„Sacri Monti“ aus Kalifornien waren am Samstag um 17 Uhr am Set. Die Band besteht aus Mitgliedern von Radio Moscow und Joy. Sie lieben es eher eine Spur straighter, sind immens Hammond-Orgel verliebt und schaffen es eine spielerische Lockerheit mit ein zuweben. Der Song „Glowing Grey“ z.B. ist ein schwerer Psycho-Song mit viel Fuzz und Gitarren-Feedback, ein grooviges verzerrtes Spiel. Die Vocals verschwimmen in den verrückten psychedelischen Riffs. Oder der wunderbare 12-Minuten-Song „Sacri Monti“, der herausragender Song der auf eine lange jammige Reise geht. Ihr Songmaterial bezieht sich vor allem auf das 2015 erschienen Album, aber das kommt gut.

Um ca 22 Uhr begann das Abschiedskonzert von „The Flying Eyes“ aus Baltimore, die es seit 2007 gab. Jetzt die Trennung nach elf Jahren, kein Freak Valley mehr, schade. Es war mehr eine Abschiedsparty mit der gesamten Freaks- Führungsriege auf der Bühne. Alle wollten dabei sein als sich diese grandiose Band verabschiedete, es war schon berührend. Sie beeindruckten wie immer durch ein agiles, kräftiges Schlagzeug, intensive Gitarrenarbeit und vor allem durch die Stimmgewalt von William Kelly. Etliche Songs aus ihren wichtigsten Alben wurden mit viel Spielfreude vorgetragen. Absolut in den späten 60gern angesiedelt, sphärisch fesselnd, melodiös kreativ, bluesrockig. Live hauen sie einen vom Hocker. Wenn man bedenkt, Kelly war damals 18, Bufano, Hewitt und Schutzman 19-jährig, dem besten Alter für Bandgründungen. Jetzt mit knapp 30 haben die vier Leute Musikgeschichte geschrieben und werden unvergessen bleiben. Ich bin schon gespannt wohin der Weg der vier Musiker führt. Wo sie wieder auftauchen, was für Musik sie weitermachen werden.

Das Festival wurde beendet mit „Russian Circles“ aus Chicago. In erster Linie sind es die stoisch hämmernden bis schreddernden Passagen, die das ganze Publikum in druckvoller Energie durchschüttelten. Es die gnadenlose Präzision, mit der die drei Musiker auftraten. Während die meisten artverwandten Bands ihre Gitarrenwände ausschließlich aus dem Boden wachsen lassen, donnern sie bei Russian Circles aus dem dunklen Firmament herab. Immer wieder faszinierend, wie hunderte Menschen durch kaum mehr als Rhythmus und Lautstärke mitgezogen werden. Sie reihen Brocken für Brocken aneinander wie an einer Schnur gezogen, die einem das Zwerchfell flattern lassen. Die Lightshow war entweder düster oder grell, schwarz wie Schattenrisse erschienen die zwei Gitarristen am vorderen Rand der Bühne und peitschten ihre Instrumente auf die Fans. Schon etwas unheimlich aber gut dieser Abschluss. Kein Regen durchbrach den Abend, war ich froh darüber. Davon haben wir am Nachmittag schon ein paar schwere Güsse abbekommen, war aber nach 15 Minuten wieder vorbei.

Das Festival hat wie immer großen Spass gemacht und vor allen Dingen haben wir einige Freunde getroffen, in der Pension und auf dem Gelände. Es ist alles friedlich abgelaufen, nur gut gelaunte Leute waren unterwegs. Nur einmal bin ich erschrocken als ein Mann aus der Überdachung auf den Weg geflogen ist, noch mit dem Bier in der Hand, drei Leute stürzten sich auf den Kerl und lachten, gottseidank war es Spass. Unsere Heimfahrt verlief sehr gut, dank Jens unseren Fahrer. Bis nächstes Jahr, auf zu neuen Überraschungen.

Hier noch ein paar Anregungen von Bands an den Freakbooker Jens Heide:
Astrosoniq, Ahkmed, Black Moon Circle, Domadora, Hills, The Black Angels, Psychic Lemon, Dead Skeleton, King Buffalo, The Spacelords, The Machine, Cosmic Fall, Comacozer, Kungens Man, Hotel Wrecking City Traders, Electric Eye, Caudal, Mythic Sunship, Zone Six, Slow Season, Killer Moon, It`s Not Night: It`s Space, Naxatras, Pub Cerenkov.

Line up der sechs Bands:

Mother Engine:
Chris Trautenbach – Guitar
Christian Dressel – Bass
Cornelius Grünert – Drums
https://motherenginerock.bandcamp.com/

OM:
Al Cisneros – Bass/Vocals
Emil Amos – Drums
Robert A.A. Lowe – Keys/Tamburin
https://omsl.bandcamp.com/releases

Black Bombaim:
Ricardo Miranda – Guitar
Tojo Rodrigues – Bass
Paulo Goncalves – Drums
https://blackbombaim.bandcamp.com/album/far-out

Sacri Monti:
Brenden Dellar – Guitar/Vocals
Dylan Donovan – Guitar
Anthony Meier – Bass
Evan Wenskay – Organ/Synth
Thomas DiBenedetto – Drums
https://sacri-monti.bandcamp.com/

The Flying Eyes:
Adam Bufano – Guitar/Lap Steel
Mac Hewitt – Bass
Will Kelly – Vocals/Guitar
Elias Schutzman – Percussion/Vocals
https://theflyingeyes.bandcamp.com/album/burning-of-the-season

Russian Circles:
Mike Sullivan – Guitar
Brian Cook – Bass
Dave Turncrantz – Drums
https://russiancircles.bandcamp.com/album/live-at-dunk-fest

Bands

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